Geschichtlicher Überblick

Die Kirche hat ihren Namen von Abt Bernhard von Clairvaux (1091-1153), Gründer des Zisterzienserordens.

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird sie in einem Vertrag vom 14. März 1382: Rüdiger Metmann, Richter zu Esslingen beurkundet, dass Heinz Hof vier Schillinge Gült von seinem Acker über der Ebershalde gestiftet habe mit der Bestimmung, dass am zweiten Sonntag vor Weihnachten vor dem Tor der Frauenkirche und mit Wissen des Pflegers der St. Bernhardtskapelle Brot an die Armen verteilt werde. Wenn der Besitzer des Ackers diese Spende nicht mehr austeile, so solle der Acker an die Frauenkirche und an die Bernhardtskapelle fallen. Sechs Jahre später, am 17. Januar 1388, wird die Kapelle wiederum genannt.

 Aus dem Jahre 1400 existiert eine Urkunde, in der Papst Bonifatius IX. allen Gläubigen, welche die Kirche zu St. Bernhardt und St. Konrad im Hainbach besuchen und zur Erhaltung der Kirche spenden, einen Ablass garantiert. Ein Wallfahrtsweg führte damals von Oberesslingen über die Kapellen und Kirchen in Kennenburg, St. Bernhardt, Sulzgries, Rüdern und den Ailenberg hinab ins Neckartal. Der aufragende Turm der St. Bernhardt-Kirche mit seinem spitzen Dach mitten im freien Feld war schon im Mittelalter ein weithin sichtbares Wahrzeichen. Eine Karte aus der Mitte des 16. Jahrhundert lässt bereits seine vertraute Gestalt erkennen.

Nach der Reformation wurden in der bescheidenen Feldkirche Gottesdienste für die Bewohner der kleinen Filialorte am Rande des Hainbachtals abgehalten. Von dem Burgweiler Kennenburg, von Liebersbronn, Wiflingshausen, Wäldenbronn, Serach und Obertal kamen die Leute hierher zum Gottesdienst. Auf dem angrenzenden Friedhof fanden die Toten ihre letzte Ruhestätte. Bereits 1559 wird der Kirchhof von St. Bernhardt erwähnt. Die Weiler gehörten zur freien Reichsstadt Esslingen, waren aber außerhalb der Stadtmauer allen Gefahren ausgeliefert, so schon bei den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den württembergischen Herzögen.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) durchstöberten streifende Scharen das Hainbachtal. Feld und Flur wurden verwüstet und die Kirche bis auf den Turm zerstört. Lange Jahre brauchten die Hainbachtäler, um sich davon wieder zu erholen. Nach dem Friedensschluss bauten sie ihre Kirche wieder auf.

Im 18. Jahrhundert wurde eine Erweiterung der Kirche notwendig, da sie nur die Hälfte der Gemeindeglieder aufnehmen konnte. Der mit dem Umbau beauftrage Baumeister hieß Rothacker. Bei der Einweihung der erweiterten Kirche im Jahre 1733 brach vor Beginn des Festgottesdienstes wegen zu starker Belastung die Empore zusammen; es gab Tote und Verletzte. Der Baumeister wurde mit 50 Gulden Strafe belegt. Vier Jahrzehnte später gab es wieder Schwierigkeiten: 1776 war die Kirche so baufällig, dass die Gottesdienste eingestellt werden mussten. Kirchenschiff, Kirchweg, Friedhof und Friedhofszaun wurden daraufhin dauerhaft erneuert.

Im 19. Jahrhundert nahm die Bevölkerungszahl im Hainbachtal stark zu. 1849 erhielt Wäldenbronn endlich eine eigene Schule. 1891 wurde in St. Bernhardt eine Pfarrverweserei eingerichtet (bis dahin war ein Pfarrer aus der Stadt mit der Betreuung der Gemeinde beauftragt). 1898/99 wurde die Kirche vergrößert und erhielt ihre heutige Gestalt. Neue Wände wurden hochgezogen und erhielten über den kleineren Fenstern große Kirchenfenster. Ein neuromaníscher Vorbau und eine Empore auf Holzsäulen erweiterten den Kirchenraum. Nun hatte die Kirche ca. 400 Sitzplätze. 1907 erhielt die Gemeinde einen ständigen Pfarrer und ein Pfarrhaus am Langen Weg.

Im 20. Jahrhundert wurden die Weiler des Hainbachtals mehr und mehr zu Stadtteilen Esslingens. Die Gemeinde wurde größer und musste verschiedentlich geteilt werden. 1925 wurde das Gemeindehaus Wäldenbronn gebaut; Liebersbronn wurde zusammen mit Hegensberg 1927 zu einer eigenen Kirchengemeinde. 1957 wurde in Hohenkreuz eine Kirche gebaut und die Kirchengemeinde Hohenkreuz-Serach gebildet. In St. Bernhardt wurde 1968 eine zweite Pfarrstelle errichtet. 1972 wurde das Gemeindezentrum St. Bernhardt gebaut. 1982 konnte das 600jährige Jubiläum der St. Bernhardt-Kirche gefeiert werden. 1989 wurde nach jahrzehntelanger Planung das Gemeindezentrum im Hainbachtal mit Räumen für Gottesdienst, Gemeinde- und Jugendarbeit eingeweiht.

Quelle: Ortsgeschichtlicher Beitrag von Felix Burkhardt „Vom Hainbach und der St. Bernhardt-Kirche“ in der Festschrift zum Drei-Kirchen-Jubiläum 1982

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