Spiritualität

Manche Menschen sehnen sich nach mehr Spiritualität. Sie haben das Gefühl, dass sie ihr Alltag ganz einnimmt. Wer wünscht sich nicht gelegentlich Zeiten der Unterbrechung, Räume des Innehaltens, einen Blick nach oben, ob im Beruf oder in der Familie?
Spiritualität im christlichen Sinne ist dabei nichts Abgehobenes. Leib und Seele gehören zusammen. So sind es nicht zuletzt besondere leibliche Erfahrungen, die uns ein inneres Fenster in unserem Leben öffnen können.

    Ich denke da an die Pilgerinnen und Pilger, die auf dem Jakobsweg nach ihrem Gang über den Schurwald und durch das Hainbachtal den alten Kirchweg am schönen Rain heraufkommen, verschwitzt und erschöpft, um dann in der St. Bernhardt-Kirche einzukehren und innezuhalten.
Ich denke da an den „anderen Gottesdienst“ (eAg), in dem nach dem Lobpreis Gottes eine Begegnungszeit stattfindet. Viele freuen sich gerade auf diesen Teil des Gottesdienstes, der bei einer Tasse Kaffee oder Tee einlädt, einander zu begegnen, von sich selbst abzusehen, andere wahrzunehmen, sich auszutauschen und so die Gemeinschaft im Gottesdienst zu erleben.
    Ich denke da an den Salbungsgottesdienst am Buß- und Bettag. Die eigenen Handflächen berühren lassen, sich ein Kreuz auf die Stirn zeichnen lassen ist eine leibliche Erfahrung, die zur Glaubensstärkung werden kann.
    Ich denke da auch an die „Dinner-Church“ (siehe Bilder S. 4/5). Wir feierten  im Sommer einen Gottesdienst mit Gästen aus der Gemeinde St. Lydias in Brooklyn (NY). Dies ist eine Gemeinde, die ganz von der Mahlgemeinschaft lebt (stlydias.org). Gemeinsam wird das Essen zubereitet, der Raum gerichtet, die Musik einstudiert, der Gottesdienst mit Liedern und dem Entzünden der Kerzen eröffnet. Dann wird in der Kirche an Tischen gemeinsam gegessen. Nach dem Essen hören alle auf einen Text der Bibel, einer legt ihn aus und jeder kann eine kleine Geschichte mit eigener Erfahrung beitragen. Die Gastfreundschaft Jesu wird so als Tischgemeinschaft leibhaftig gefeiert. Ein Raum entsteht, der größer ist als Essen und Trinken.
    Wie ist Spiritualität heute erfahrbar? Diesem Thema ist unser Herbst-Gemeinde-brief gewidmet. Vielleicht haben Sie eigene Erfahrungen. Wenn Sie sie mit uns teilen wollen, freuen wir uns. Sprechen Sie uns an, wir hören Ihnen gerne zu.
Ihr Pfarrer Enno Knospe

 

Drucken E-Mail