Gute Worte auf den Weg

Made in Esslingen: Aus unserer schönen Stadt kommen tolle Sachen: saure Gurken, prickelnder Sekt, pneumatische Technologie – und Bibelworte für das Jahr! Vor fast 90 Jahren hatte der ehemalige Esslinger Pfarrer Otto Riethmüller diese Idee. In einer Zeit, die von politischen Parolen der Nazis bestimmt war, war er überzeugt: Die Menschen brauchen bessere Worte, Hoffnungsworte. Riethmüller fand sie in der Bibel. „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht“ (Römer 1,16) war die erste Jahreslosung 1930. Riethmüllers Idee hat sich durchgesetzt. Auch 2019 steht unter einem Bibelwort: „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15). Das klingt erstmal gut. „Suche Frieden.“ „Und jage ihm nach.“ Hä? Dem Frieden nachjagen? Je wörtlicher ich das nehme, umso mehr merke ich, dass das gar nicht so friedlich, so betulich ist. Das ist dynamisch. Da ist Power drin. 

„Suche Frieden und jage ihm nach“ – in diesem kurzen, scheinbar widersprüchlichen Satz steckt eine tiefe Wahrheit. Die Wahrheit nämlich, dass Frieden nichts ist, was einem in den Schoß fällt, wenn man nur lange genug wartet.

Klar, Friede hat auch eine stille Seite. Unter Frieden verstehen wir die Abwesenheit von Gewalt und Aggression, wir reden von „Seelen­frieden“. Aber Friede hat eine weitere Dimension. In der Bibel gehören Friede („Schalom“) und Gerechtigkeit zusammen. Eines ist ohne das andere nicht zu haben. Friede ist ein Beziehungsgeschehen. Wo die Beziehungen gut sind, zwischen Gott und mir, zu Mitmenschen, auch meine Beziehung zu mir selbst, da finde ich Frieden.

Und darum ist es durchaus richtig, den Frieden zu suchen und ihm „nachzujagen“. Er ist nicht zum Nulltarif zu haben. Er braucht Engagement. Wer je versucht hat, einen Konflikt in der Verwandtschaft oder bei der Arbeit gut und lösungsorientiert anzugehen, der kann ein Liedchen davon singen: Friede ist schön. Macht aber viel Arbeit.

Ich wünsche Ihnen für 2019, dass Sie Zeit finden für den Frieden; Freiräume, in denen Sie Ihre Beziehungen pflegen und, wenn nötig, wichtige Konflikte bearbeiten können. Jesus verspricht seinen Segen dazu: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9).

 Ihr Pfarrer Christoph Schweizer 

 

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