Der Rat der Rose

Die Rose hat es mir angetan.
Im Juni wanderte ich im Frankenland in den Weinbergen, wo die Strauchrosen zu blühen begannen. Unsere Wandergruppe hatte viel Spaß von Rose zu Rose zu gehen und dabei jedes Mal die Nasen in die Blüten zu stecken!
Welch himmlischer Duft!

Die Rose… duftend, leuchtend, prächtig oder mitunter auch kitschig.
Hier nun ein Rosengedicht, das so ganz anders und gar nicht rührend die Lebensweisheit der Rose wiedergibt:
    
der rat der rose

bleib aufrecht
rät die rose
zeig dornen
sei stolz    

beuge dich
nur der liebe
         Kurt Marti

Gerne gebe ich Ihnen meine Begeisterung für dieses Gedicht weiter.
Im ersten Teil trägt die Rose ganz schön dick auf und es hört sich fast ein wenig verhärtet an: Sei stolz, trag den Kopf hoch, zeig Dornen.
Wir kennen eher die Aufforderung:
„Nimm dich zurück, sorge für Ausgleich. Oder sogar: Sei demütig.“
Doch ich höre anderes aus dem Rat der Rose:
Bleib aufrichtig und traue deiner inneren Stimme. Zeige, dass du widerstandsfähig bist und scheue dich nicht vor Auseinandersetzung, sondern bleibe wehrhaft.
Tritt ein für den Frieden.
„Zeig deine Dornen“ heißt für mich auch, dass ich Grenzen setze und mich nicht vereinnahmen lasse.
Unter „sei stolz“ höre ich nicht unbedingt Hochmut heraus, sondern die Aufforderung, sich seiner eigenen Würde bewusst zu sein. Jede/r von uns ist ein Geschöpf Gottes! Das kann uns wirklich stolz machen.
Und der letzte Satz lässt mich staunen – welch große Kunst des Dichters, alles so auf den Punkt bringen zu können. Es ist wie eine Befreiung. Das ist es doch, worauf es ankommt und wofür wir leben!
Beuge dich nur der Liebe.
Dieser weise Rat der Rose gibt Orientierung und Rückenstärkung.
Welches Schöpfungsgedicht stärkt Sie?

Mit herzlichen Grüßen Ihre
Gemeindediakonin Gesine Friedrich

 

 

 

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