Der Frühlingsschrei

"...Früher Morgen ist es. Wie der erste Erdenmorgen so schön.. In allen Bäumen und allen Wäldern und allen grünen Büschen lebt es, es zwitschert und rauscht und summt und singt und plätschert, überall erklingt das frische, wilde Lied des Frühlings. …
„Erschrick nicht, Birk“, sagte Ronja,
„jetzt kommt mein Frühlingsschrei!“ Und sie schrie, gellend wie ein Vogel, es war ein Jubelschrei, den man weithin über den Wald hörte.

Liebe Gemeinde,
so endet mein Lieblingskinderbuch „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren. Nach diesen Zeilen möchte man selbst solch einen Frühlingsschrei ausprobieren.
Ich kann es nur empfehlen! Es ist Daseinsfreude pur. Oder gehören Sie eher zu den stillen Genießern des Frühlings?
Auf jeden Fall ist jetzt die Zeit hinaus zu gehen, vor die Tür zu treten, um die Natur zu erleben. Die Farben bieten uns Abstand vom Grau des Alltags, die Luft macht unseren Kopf frei und die Bewegung hält uns fit. „Neuer Lebensmut wird in euch erwachen, so wie im Frühling das frische Gras sprosst.“ Jes. 66,14
Die Natur entlastet uns, denn nicht mehr wir, die Menschen, stehen im Mittelpunkt, sondern die Landschaft. Die Weite und auch das faszinierende Nahe auf dem Weg lassen uns staunen und dankbar werden. Jetzt sind wir offen, Gott zu begegnen.
Kein Wunder, dass viele Gottesbegegnungen in der Bibel draußen stattfanden, sei es am Dornbusch bei Mose oder durch den  Blick in den Sternenhimmel bei Abraham. Die Natur ist zu einem großen Symbol für Gottes Nähe geworden.
Und doch: in der Stille draußen allein – oder mit einem Frühlingsschrei dazwischen – Gott zu begegnen, das ist nur eine Möglichkeit. Denn nicht immer will ich alleine raus gehen. Mit Partner oder Freunden ergeben sich oft tiefgehende Gespräche draußen oder auf einem „Grüß-Gott-Weg“ gute spontane Begegnungen. Auch Pilgerwanderungen, bei denen wir einen Bibelvers im Gehen gemeinsam „verdauen“ konnten, habe ich in sehr guter Erinnerung. Genauso wie einen Gottesdienst im Grünen mit dem Posaunenchor.
Ja, Gottes Nähe erleben wir im Miteinander, im Teilen unseres Glaubens in der Gemeinde. Und das ist nun mal vor allem beim Hören von Gottes Wort und beim Feiern des Abendmahls möglich.
So möchte ich Sie anregen zu einem frühmorgendlichen Spaziergang, allein oder in Begleitung, und danach zu einem gemeinsamen Besuch in eines Gottesdienstes.
Herzlichst Ihre Gemeindediakonin
Gesine Friedrich

 

Drucken