Das göttliche Licht

    Die Adventszeit in unserer Gemeinde steht ganz unter dem Motto „Licht“.
Zum Beispiel singt der Projektchor Lichtlieder; Lichtsprüche stehen auf den Dankkarten; beim Krippenspiel leuchtet der Sternenhimmel und beim ökumenischen Hausgebet geht es um das Lebenslicht.
    Es war ja auch das Licht, das den Anfang der frohen Botschaft machte. Wir kennen die Stelle der Weihnachtsgeschichte, wo bei den Hirten plötzlich alles hell wurde:
 „Der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn umleuchtete sie, und sie fürchteten sich sehr.“ (Lk 2,9)
Was war das für ein Licht, das die Hirten völlig verwandelte? Ich denke, die Hirten hatten eine Gotteserfahrung mit dem göttlichen Licht.
    Mechthild von Magdeburg, eine Mystikerin aus dem 13. Jh. – sie ist mir beim Pilgern durch Sachsen-Anhalt begegnet – konnte solch eine Gotteserfahrung in Worte fassen: „Einmal fühlte ich ein unsagbares beseligendes Licht. Es ging aus Gottes Augen in meine Augen ein. Es durchdrang mich überall auf wunderbare Weise.“
So ähnlich muss es den Hirten ergangen sein. Sie erlebten einen Glanz der Herrlichkeit Gottes, der alles sichtbar machte: das Helle und das Dunkle. Deshalb fürchteten sie sich zunächst auch. Doch zum Glück sprach der Engel gleich:
„Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren…“ (Lk 2,10)

    Das war die frohe Botschaft für die Hirten, die sich mit der Klarheit des Herrn angekündigt hatte. Und das ist auch für uns die frohe Botschaft, wenn wir im Licht Gottes unser Leben betrachten und so  auch in aller Deutlichkeit erkennen: Keine Sorge, Gott ist als Mensch zu uns gekommen, er kennt Freud und Leid des menschlichen Lebens und möchte heil machen, was verwundet ist.
    So wünsche ich uns Begegnungen mit dem göttlichen Licht. Denn, nochmals Mechthild von Magdeburg: „Das göttliche Licht machte meine Seele unbeschreiblich heiter und froh.“ Das kann im Gebet passieren, bei einem erhellenden Gespräch, beim Erleben eines Sonnenstrahls oder wenn plötzlich Neuschnee gefallen ist. Wir können uns getrost von der Klarheit des Herrn umleuchten lassen.
    Und dann wünsche ich uns vor allem, dass wir aktiv werden wie die Hirten. Denn sie sind dann zur Krippe aufgebrochen.
Ich finde, gerade die Adventszeit bietet so viele Möglichkeiten, unserer Sehnsucht nach der Nähe Gottes nachzugehen.
Herzliche Einladung!
    
Ihre Gemeinde-diakonin
Gesine Friedrich

 

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