Begegnung mit Kirche im Urlaub

Jerusalem – Grabeskirche – ich sehe, wie Gläubige ihre Amulette über den Felsen reiben, auf dem Jesu Kreuz gestanden haben soll. Das Amulett soll ihnen dadurch Schutz und Kraft geben.
Ich bin entsetzt: „Das ist doch Aberglaube! Das hat doch nichts mit dem Evangelium zu tun!“ Eine Frau aus meiner Israelreisegruppe kommentiert mein Entsetzen mit: „Du bist halt eine richtige Protestantin! Du kannst mit so einer Frömmigkeit nichts anfangen.“
„Das soll Frömmigkeit sein?“, denke ich.
Wir quetschen uns mit hunderten von anderen BesucherInnen durch die verwinkelte Kirche. In ihr sind über sechs christliche Strömungen vertreten, je nach Größe mit einem ganze Raum oder nur mit einer
Nische.
Interessant ist die Vielfalt der christlichen Ausdrucksformen, erkennbar an der Gestaltung der Räume oder der liturgischen Gewänder.
Hier wird rezitiert, dort gebetet, da ein Weihrauchkessel geschwenkt. Die ganze Kirche summt.
Trotzdem bin ich froh, als ich wieder draußen an der frischen Luft bin.
Danach geht es zum Garten Gethsemane. Wir genießen die Aussicht über das gegenüberliegende Jerusalem unter schattenspendenden Bäumen.
Meine Reisegruppe beginnt aus ihrem Liederheftchen einen Kanon anzustimmen: „Jubilate deo, omnes terra…“
Unser mehrstimmiger Gesang lässt mein Herz aufgehen und erfüllt mich mit Freude.
Mir kommt in den Sinn: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18,20).
„Ja, jetzt ist Jesus mitten unter uns“, denke ich, „so wenig braucht es manchmal!“

Ich wünsche Ihnen allen in den Ferien gute Begegnungen mit Gott, wo auch immer!

Ihre Pfarrerin Susanna Worbes

 

 

 

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