Einen Lachmund haben

Feiern Sie auch Fasching mit? Schauen Sie sich die Karnevalssitzungen im Fernsehen an? Ich habe dieses breite Grinsen aus Pappe entdeckt, das ich sehr lustig finde.
Denn so einen Lachmund zu haben, das scheint etwas Praktisches zu sein: Da kann ich gute Laune vorgaukeln, auch wenn eigentlich meine Mundwinkel nach unten gehen. Da kann ich mich gut dahinter verstecken – nicht nur zur Faschingszeit!
„Jetzt reiß dich mal zusammen!“, das haben viele von uns als Kind gehört. Und so sind wir gut darin geworden eine freundliche Fassade aufzusetzen. Das Lächeln im Gesicht ist ja auch in vielen Berufen gefragt.
Lächeln hilft weiter und steckt an
Wenn wir ehrlich sind, dann wünschen wir uns auch alle freundliche Gesichter um uns herum. Niemand will mürrische Ehrenamtliche, schlecht gelaunte Hauptamtliche oder unfreundliche Besucherinnen in unserer Gemeinde. Freundlichkeit ist die kleine Schwester der Liebe.
Doch wer kann schon immer freundlich sein? Das geht nicht. Verkäuferinnen mit aufgesetzter Freundlichkeit, die eigentlich einen Verkaufsdruck haben, machen mich eher traurig. Da sind mir Gesichter mit ehrlicher Mimik lieber. So freue ich mich in unserer Gemeinde vor allem auf Begegnungen mit offenen Gesichtern. Denn es gibt in unserem Gemeindeleben einen Dritten im Bunde: Gott. Vor ihm müssen wir uns nicht verstellen.
Wenn wir gemeinsam Abendmahl feiern, dann laden wir ein mit den Worten: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.“ Wenn wir Gott mit den Psalmen loben, dann mit der Begründung: „Preiset den Herrn, denn er ist freundlich“. Wenn wir den Segen empfangen: „Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir“, dann heißt das nichts anderes, als dass Gott uns freundlich anschaut.
Ich wünsche uns allen, dass dieser freundliche Blick Gottes sich in unseren Gesichtern und Worten wiederfindet – ganz ohne aufgesetzten Lachmund.
Herzlichst, Ihre Gemeindediakonin Gesine Friedrich

 

 

 

 

 

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